Zum Gruseln: Berlin als Zentrum neuester Kriegstechnologie

Zum Gruseln: Berlin als Zentrum neuester Kriegstechnologie

Die Entwicklung Berlins zu einem zentralen Rüstungsstandort ist in vollem Gange. Neueste Kriegstechnologie wird von inzwischen hunderten von Firmen inmitten der Stadt entwickelt. Um diese Aktivitäten noch besser zu bündeln, haben die Industrie- und Handelskammer und der Berliner Senat am 27. April die Initiative „TechHUB SVI OST“ vorgestellt.

Die Abkürzung bedeutet: „Technology Hub Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Ost“. Die verquaste Abkürzung mit ihrer Mischung aus Deutsch und Englisch, Groß- und Kleinschreibung ist keinesfalls nur der typische Berliner Angeberjargon aus dem Munde hiesiger Politgrößen. Denn es war schon erschreckend, als Wirtschaftssenatorin Giffey (SPD) dann erzählte: Bereits „130 Unternehmen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind in der Hauptstadtregion ansässig“ sowie „über 400 Unternehmen, die im Dual-Use-Bereich Produkte, Software und Technologien erarbeiten“. Allerdings hatte rbb24 schon am 12.8.2025 berichtet, dass 100 solcher Firmen von der Berliner Wirtschaftsförderung Berlin Partner „betreut werden“. „Dual Use“ – ein verschleierndes Englisch, was übersetzt „zweifache Verwendung“ heißt, nämlich im zivilen und im militärischen Bereich. Doch das zweite ist das, worauf es ankommt. Ein „Letter of Intent“ („Absichtserklärung“) der Initiative „TechHUB …“ erklärt: „Übergeordnetes Ziel des TechHUB SVI Ost ist es, Innovationen, Wertschöpfung und Wachstum der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in der Region zu fördern und damit einen Beitrag zu Resilienz und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner Partner zu leisten.“

Der Standort Berlin hat, so die Erklärung weiter, dafür einiges zu bieten, nämlich z.B. den „Hauptstadtvorteil“: „Berlin ist ein zentraler europäischer Knotenpunkt politischer Entscheidungsprozesse. Die Nähe zu Ministerien, Bundeswehr, Botschaften, nationalen Sicherheitsbehörden sowie dem Nationalen Sicherheitsrat schafft ideale Bedingungen für ein strategisch eingebettetes DefTech- und SVI Ökosystem.“ („DefTech“ heißt wohl Verteidigungstechnologie, aber wer will Böses dabei ahnen, wenn das Ganze doch in ein Ökosystem eingebettet ist.) Und die Erklärung verrät, was hinter Senatorin Giffeys Zahlen steckt: „Berlin verfügt über exzellente Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, Reallabore und Testfelder … darunter etablierte Defence-Unternehmen, spezialisierte Industriebetriebe entlang der gesamten Lieferkette und ein dynamisches Dual-Use-Startup-Ökosystem. Leistungsstarke Netzwerke in Schlüsseltechnologien wie KI, Cyber Security, additive Fertigung, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Leichtbau, Drohnentechnologie, Optik/Photonik, Robotik, Materialforschung, Sensorik sowie Luft- und Raumfahrttechnik sind in der Hauptstadt ansässig.“

Auf dem ehemaligen Flughafen Tegel werden Teile dieses undurchsichtigen Netzes räumlich gebündelt. Dort ist in den vergangenen Jahren die „Urban Tech Republic“ entstanden. Sie soll Teil eines zukünftigen neuen Stadtviertels sein und an ein neu zu schaffendes Naturschutzgebiet angrenzen. Hier ist das Start-up German Drones angesiedelt, das mit seinen Aufklärungsdrohnen (früher z.B. in der Landwirtschaft oder beim Katastrophenschutz im Einsatz) mittlerweile sowohl in Tegel als auch in Kiew für den militärischen Einsatz produziert. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich weitere Start-ups aus dem Bereich „DefTech“ (nennen wir es auf gut Deutsch: Kriegstechnologie) wie Project Q, Promethion, Radiant oder Sapper Intelligence.

Ein weiterer Ort der Berliner Start-up-Szene existiert bereits seit 2013 im Tempelhofer Ortsteil Mariendorf auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks. Der „Marienpark“ hat seine Entwicklung: Wo früher ein Brauerei-Start-up Bier braute (und mittlerweile pleite ist), findet sich jetzt der „Resilience Technology Campus“. Dieser „Campus“ gibt einen Einblick in die Zukunft einer militarisierten Start-up-Welt. Es vereint die Bereiche Künstliche Intelligenz, 3D-Druck-Technologien und Cyber Security Innovationen – Kernbereiche von „DefTech“. Hier fand im Juli dieses Jahres wieder die „European Defence Tech Week“ statt, bei der auch Teilnehmer aus der Ukraine eingeladen sind, die in ihrer Heimat praktisch erproben dürften, was in Mariendorf ausgebrütet wird. Teil dieser Veranstaltungswoche ist auch der „European Defence Tech Hackaton“. Es zeigt sich: Die einst als Subkultur gestartete IT- und Computerszene ist für die Cyber-Krieger ohne weiteres anschlussfähig.

Das führende Berliner Rüstungsunternehmen Stark Defence (mit Niederlassungen in London, Kiew, Stockholm und neuerdings Athen) bestätigt das. Auf der Website der „Berliner Wirtschaft“ erklärte Firmen-Mitgründer Schaback am 1.12.2025, warum es die Firma nicht mehr in München hielt: „Berlin steht für eine technologisch starke Gründerszene und bietet ein einzigartiges strategisches Ökosystem aus Wirtschaftsakteuren, Forschungseinrichtungen und staatlichen Institutionen, die den akuten Bedarf an sicherheitsrelevanten Innovationen erkennen.“ Denn „entstanden aus einem akuten Bedarf der ukrainischen Streitkräfte, entwickelt STARK innovative Systeme, die der Realität moderner Kriegführung gerecht werden“, so die Firma in einer kurzen Selbstdarstellung für ihren kommenden Auftritt auf der Nürnberger Messe enforce-tac. Bei einem Blick auf die Website des Unternehmens wird sofort klar, worum es geht: Kamikaze-Drohnen (tragbar oder rohrgestützt), See-Drohnen, Software für Drohnensteuerung, kurz: unbemannte Waffensysteme für den Kriegseinsatz in der Ukraine. Berlins neue Rüstungsindustrie spielt somit eine wichtige Rolle in der von Kanzler Merz am 14. April verkündeten strategischen Partnerschaft Deutschlands und der Ukraine.

Die ganze Entwicklung ist brandgefährlich: Mit dem Aufbau einer Kriegswirtschaft versucht die Regierung das Abgleiten Deutschlands in die wirtschaftliche Dauerkrise zu verhindern. Aber die für die Rüstung verausgabten Schulden-Milliarden müssen sich am Ende „rentieren“. Kommt darum der offene Krieg gegen Russland, wird die Rüstungshauptstadt Berlin zu einem der vorrangigen Kriegsziele. Kommt er nicht, wird sich der ökonomische Niedergang Deutschlands beschleunigen.

Redaktion Anstoß