Wenn der Antifaschismus zum Sicherheitsrisiko erklärt wird
Wenn der Antifaschismus zum Sicherheitsrisiko erklärt wird
Zwei Jahre lang war es ein fester Termin im Berliner Sommer: das antifaschistische Freiluftkino am Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg. Jetzt hat das grün geführte Bezirksamt Pankow den Veranstaltern die Genehmigung für die dritte Vorführung entzogen – ausgerechnet für den DEFA-Klassiker „Die Fahne von KriwojRog” (1967), ein Film über den antifaschistischen Widerstand von Bergleuten im Mansfelder Land.
Die Begründung ist an Zynismus kaum zu überbieten: „Vor dem Hintergrund des fortdauernden bewaffneten Konflikts zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine” sei zu befürchten, dass ein Film mit „Bezug zu militärischen oder kriegerischen Ereignissen” geeignet sei, „erhebliche Kontroversen” auszulösen, heißtes im Bescheid. Man fasst es nicht: Damit wird ein Streifen aus dem Jahr 1967, der von deutschen und ukrainischen Bergleuten erzählt, die gemeinsam eine rote Fahne vor den Faschisten retten, zur potenziellen Bedrohung des öffentlichen Friedens erklärt. Dass der Film keinen Bezug zum heutigen Kriegsgeschehen hat, spielt keine Rolle. Es dürfte dem Bezirksamt auch gar nicht um den konkreten Inhalt gehen, sondern vermutlich ist es die Absicht, alles, was an die deutsch-sowjetische Freundschaft erinnert, aus der Öffentlichkeit zu verbannen.
Diese Willkür steht nicht für sich. Sie reiht sich ein in eine Kette von Eingriffen, mit denen antifaschistisches Gedenken in Berlin systematisch unter Verdacht gestellt wird: Fahnenverbote am Tag der Befreiung, neue Gummiparagraphen im Strafrecht, Berufsverbote wegen Palästina-Solidarität. Auch am sowjetischen Ehrenmal in Treptow mehren sich Bestrebungen, die Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus und in eine genehmere Erzählung zu pressen. Das Deutsch-Russische Haus in Berlin wiederum soll so weit sanktioniert werden, dass es dichtmachen muss. Das Muster ist immer dasselbe: Wer an die Rolle der Roten Armee im Kampf gegen den Faschismuserinnert, gerät ins Visier.
Diese engmaschige Kontrolle des öffentlichen Raums ist kein Ausrutscher einzelner Ämter, sondern ein Teil der Kriegsvorbereitung gegen Russland, der auch vor der eigenen Geschichte nicht haltmacht. Es geht darum, ein für alle Mal festzuschreiben: Der Aggressor war und ist immer „der Russe“.
Die DKP klagt gemeinsam mit den anderen Veranstaltern gegen dieses Verbot. Unsere Kultur und unsere Geschichte lassen wir uns nichtnehmen! Unterstützt uns im Wahlkampf, damit wir gemeinsam den Antifaschismus verteidigen und dem Geschichtsrevisionismus entgegentreten.
Gruppe Pankow
