Wo bleiben die Milliarden?
Seit Januar 2024 ist das Stadtbad Schöneberg „Hans Rosenthal“ an der Hauptstraße geschlossen – wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten. Noch ärger sieht es in Mariendorf Süd aus: Das Kombibad Ankogelweg ist seit einem Brand im September 2023 außer Betrieb. Seitdem verharrt es im Dornröschenschlaf, die nötige Grundsanierung des 50 Jahre alten Bades hat noch nicht einmal begonnen. Grund unter anderem: Eingeplante Finanzzusagen seitens der Bundesregierung stehen weiterhin aus. Manche machen sich Hoffnungen, dass trotzdem noch in diesem Jahr die Arbeiten losgehen können: Dann wäre mit der Neueröffnung des Bades im Jahr 2030 zu rechnen.
Im 330.000 Einwohner-Bezirk Tempelhof- Schöneberg sind damit gerade einmal zwei Hallenbäder geöffnet: Die Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg und das Stadtbad Tempelhof. Nur dumm, dass beide Bäder für die allgemeine Öffentlichkeit nur wenige Stunden zugänglich sind. In der Schwimmhalle Schöneberg sind es in der Woche gerade einmal 13 Stunden (davon auch noch 11½ nur mit eingeschränkter Wasserfläche), im Tempelhofer Bad sind es immerhin 19¼ Stunden (davon 8 mit eingeschränkter Fläche). Die restlichen Zeiten und Flächen müssen sich Schulen, Vereine oder Schwimmkurse teilen.
Diese Zustände sind nur der lokale Ausdruck eines bundesweiten Problems. Von 2000 bis 2019 wurden in Deutschland Jahr für Jahr durchschnittlich 70 Bäder geschlossen! Weshalb? Den unterfinanzierten Kommunen fehlte einfach das Geld, die Bäder weiter zu unterhalten und zu betreiben. Die Folge: Inzwischen verlassen mehr als die Hälfte der Kinder die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können, obwohl der Schwimmunterricht doch ein fester Bestandteil des Lehrplans ist. Das Stadtbad Schöneberg als reines Öffentlichkeitsbad soll nun voraussichtlich ab dem dritten Quartal wieder zugänglich sein (geplant war Oktober 2025) – allerdings zu wieder einmal erhöhten Eintrittspreisen, die in Berlin ab dem 5.Mai gelten. Und das Sommerbad Mariendorf Ost ist wie jedes Jahr und wie die meisten Freibäder in Berlin gerade einmal etwas über drei Monate geöffnet. Dass es auch anders ginge, zeigt sich im Kreuzberger Prinzenbad, das jedes Jahr rund fünf Monate offen ist. Deutschland ist derzeit noch die drittstärkste Volkswirtschaft der Welt. Wieso kommt der erarbeitete Reichtum nicht den Menschen in diesem Land zugute? Geld ist doch da, sollte man meinen, und seien es die hunderte Milliarden Sonderschulden („Sondervermögen“), die der abgewählte alte Bundestag im Februar schnell noch mit Hilfe einer Grundgesetzänderung beschlossen hat. Doch die gigantischen Summen werden für das Militär ausgegeben und das für Investitionen in die Infrastruktur vorgesehene Geld ist nicht dafür vorgesehen, das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen zu verbessern.
Deshalb fragen wir: Wo bleiben die Milliarden für die Investitionen in die Infrastruktur? Mit unserer Tafel am Bauzaun, der das Gelände des Stadtbads Schöneberg umgibt, weisen wir darauf hin, wo das Geld fehlt, das in die Rüstung oder den Verkehrswegeausbau Richtung Osten fließt: Zum Beispiel bei den Schwimmbädern.
Gruppe Tempelhof-Schöneberg
