Tempelhofer Feld: Alles im grünen Bereich?

Tempelhofer Feld: Alles im grünen Bereich?

Eigentlich sollte doch alles klar sein: Wir haben hier in Berlin eine weltweit fast einmalige unbebaute Fläche im Innenstadtbereich von gut 3 km² Größe (davon 2 km² Wiesenfläche), täglich je nach Wetterlagebesucht von Hunderten oder Tausenden, die dort Erholung und Entspannung suchen. Die Besucher können dort Rad fahren, skaten, Drachen steigenlassen, grillen, Fußball spielen, gärtnern, einfach nur spazieren gehen (dabei Wiesenvögel beobachten), Schafe sehen und und und … Zu großen Eventskommen Zehntausende wie etwa bei Konzerten auf dem ehemaligen Vorfeld oder dem Drachenfest auf den Start- und Landebahnen des ehemaligen Flughafens.

Das Ganze ist abgesichert durch das per Volksentscheid beschlossene „Tempelhofer-Feld-Gesetz“, dem 2014 eine Mehrheit von fast zwei Drittelnder Abstimmenden zustimmte (mit jeweiliger Mehrheit in allen Berliner Bezirken). Das im Gesetz vorgeschriebene Konsensverfahren der „Öffentlichen Feldkoordination“ zur Entwicklung und Pflege des Geländes ist ein seltenes Beispiel gelungener Kooperation von staatlicher Verwaltung und Bevölkerung. Gelegentlich wird eingewendet, die finanziellen Zuwendungen könnten großzügiger ausfallen. Aber zweifellos wächst der Baumbestand, gedeihen die Hochbeete und mehren sich die vielfältigen Veranstaltungs-Angebote. Das Gelände wird von Jahr zu Jahr gepflegter und die Besucherzahlen nehmen stetig zu.

So darf es nicht bleiben, denken sich die Immobilienlobby und mit ihr die Berliner CDU. Nachdem auch schon der vorherige und dann der gegenwärtige Bundeskanzler meinten, sich für eine Bebauung aussprechen zu müssen, wurden am 25.Mai mit großem Tamtam erneut Pläne für eine „Rand“ -bebauung der Fläche vorgestellt. Nach Plänen der prominenten Architekten Kollhoff und Növer sollen durch 2000 Wohnhäuser mit 21.400 Wohnungen (da kommt man auf mindestens 50.000 Einwohner) die Wiesenflächen des Gebietes praktisch eingemauert werden. Die Industrie- und Handelskammer lieferte gleich noch eine maßgeschneiderte Umfrage dazu: Auf Grund der Wohnungsnot sei jetzt eine Mehrheit der Berliner für die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Und der neue CDU-Spitzenkandidat Evers will die Randbebauung ohne neuen Volksentscheid oder ohne vorherige Bürgerbefragung durch ein neues Gesetz im Abgeordnetenhaus beschließen lassen. Seine Krokodilstränen fließen: „Die Menschen spüren doch, dass die Wohnungsnot ein Problem ist, das uns alle betrifft.“

Ja, jetzt müssen größere Hämmer herausgeholt werden, nachdem die weiche Tour nichts gebracht hat: Ein vom CDU-SPD-Senat 2024/25 ausgelobter Architekten-Wettbewerb für die bauliche Gestaltung des Feldes ging nämlich für die Lobbyisten nachhinten los: Die Mehrheit der Entwürfe sahen gar keine Bebauung vor, die übrigen nur eine äußerst eingeschränkte. Die per Zufallsverfahren ausgewählte Bürger-Jury lehnte jegliche Bebauung ab.

Aber der CDU-SPD-Senat arbeitet auch mit Fouls. Schon zum zweiten Mal (nach 2016) wollte er das Tempelhofer-Feld-Gesetz ändern. An der Feldkoordination wie an den zuständigen Parlamentsausschüssen vorbei sollte das Abgeordnetenhaus noch vor der Sommerpause die Änderung durchwinken. Wieder geht es um „temporäre Bauten“, gemeint sind Unterkünfte für Geflüchtete. Der Plan: Dreistöckige Modulbauten für 1100 Menschen werden am Columbiadamm auf einer 10 Hektar großen Fläche errichtet. Die nördliche Grillwiese hätte dran glauben müssen. Steter Tropfen höhlt den Stein, so dürfte die Taktik heißen. Doch dann geschah ein kleines politisches Wunder: Die SPD-Fraktion sperrte sich gegen den geplanten Coup, der Antrag des Senatswurde von der Tagesordnung genommen. Damit ist dieses Manöver erst einmal bis auf weiteres gescheitert. Die Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld wertet das als großen Erfolg.

Anfang Juni hatte sich der Berliner SPD-Kovorsitzende und Spitzenkandidat für die Wahlen im September, Stefan Krach, gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen. Auch im Wahlprogramm der Berliner SPD steht das so. Dürfen wir darauf hoffen? Gegen hiesige SPD-Strippenzieher wie Giffey (derzeit Wirtschaftssenatorin) und Gaebler (derzeit Bausenator) wird sich der Hannover-Import Krach im Zweifelsfall nicht durchsetzen können. Bleibt noch die Partei? Erinnert sei an den Parteitag der Berliner SPD im Jahre 2009. Mit Mehrheit angenommen wurde ein Beschluss gegen den Weiterbau der A 100 ab dem Neuköllner Dreieck. Der Regierende Bürgermeister Wowereit und seine Parteifreunde im SPD-Linke-Senat scherten sich nicht darum. Und Die Linke? Verhielt sich still.

Gruppe Tempelhof-Schöneberg