Gegen die Wehrpflicht
«Wir lassen uns nicht einschüchtern»
Schülerinnen und Schüler auf der Straße gegen die Wehrpflicht
Es ist ein Bild, das Mut macht: Tausende Jugendliche auf der Straße, Transparente in der Hand, Sprechchöre durch die Stadt – laut, entschlossen und mitten in der Schulzeit. Bundesweit wächst eine Bewegung, die zeigt: Die Jugend lässt sich ihre Zukunft nicht nehmen.
Beim ersten Schulstreik am 5. Dezember 2025 legten rund 55.000 Schülerinnen und Schüler in 90 Städten die Hefte nieder – pünktlich zu dem Tag, an dem das Bundeskabinett das sogenannte „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“ verabschiedete. Das Gesetz sieht vor, dass alle jungen Männer ab ihrem 18. Geburtstag einen Fragebogen der Bundeswehr erhalten und sich erklären müssen. Wer sich nicht freiwillig meldet, kann im nächsten Schritt einberufen werden – zunächst per Los, später nach anderen Kriterien. Das sind die ersten Schritte in Richtung einer vollständigen Wehrpflicht. Dahinter steckt eine klare Agenda: Deutschland wird auf Krieg vorbereitet. Die Bundesregierung schürt das Feindbild Russland, hält den Krieg in der Ukraine am Laufen und rüstet auf – und braucht dafür Soldaten. Die Jugend soll das Kanonenfutter liefern.
Doch der Widerstand wächst – trotz Einschüchterungsversuchen. Beim zweiten Schulstreik am 5. März 2026 streikten Schülerinnen und Schüler in über 150 Städten, allein in Berlin waren es mehr als 6.000. Auf Transparenten waren Sprüche zu lesen wie „Sterben steht nicht auf dem Stundenplan“ und „Ein kluger Kopf passt unter keinen Stahlhelm“.
Die Reaktion der Behörden ließ nicht lange auf sich warten: In Frankfurt sperrte eine Schulleitung die Türen von innen ab, um die Schülerinnen und Schüler am Verlassen des Gebäudes zu hindern. In München fuhr die Polizei Streikende zurück in die Schule. In Kassel führte ein Gymnasium eine Attestpflicht eigens für den Streiktag ein. Und in Berlin ermittelt die Polizei gegen einen Schüler wegen des „Verdachts der Verleumdung” von Bundeskanzler Friedrich Merz – er hatte ein Schild mit der Aufschrift „Merz leck meine Eier” getragen. Offenbar wird Humor in der „Zeitenwende“ nicht geduldet.
Die Wut der Jugendlichen kommt nicht aus dem Nichts. Während die Bundeswehr auf 460.000 Soldaten und Soldatinnen wachsen soll und das Verteidigungsbudget immer neue Rekordhöhen erreicht, bröckelt der Putz in den Schulgebäuden. Jugendzentren schließen, Lernmittel fehlen, und wer eine Ausbildung macht, verdient im ersten Jahr oft weniger als 1.000 Euro im Monat.
Demgegenüber lockt die Bundeswehr mit Einstiegsgehältern von 2.400 Euro, kostenlosem ÖPNV und Zuschüssen zum Führerschein – der inzwischen bis zu 6.000 Euro kostet. Die Botschaft, die bei vielen Jugendlichen ankommt: Der Staat hat genug Geld übrig, wenn er junge Menschen für den Krieg braucht. „Das Geld ist da, es fließt aber in Rüstung und Krieg statt in unsere Zukunft – holen wir es uns zurück!”, sagte Hannes Kramer von der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht”. Ein Satz, der auch auf Berlins Straßen Widerhall findet – in einer Stadt, in der Schulen seit Jahren auf dringend nötige Sanierungen warten.
Die Bewegung geht weiter. Am 18. April trafen sich Aktivistinnen und Aktivisten aus dem ganzen Land in Göttingen zur zweiten Schulstreikkonferenz, um die nächsten Schritte zu organisieren. Der dritte bundesweite Schulstreik ist für den 8. Mai angesetzt – den 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Das Datum ist kein Zufall: Es ist eine Botschaft an all jene, die Geschichte vergessen haben.
Diese Jugendlichen verdienen Unterstützung – nicht Attestpflichten und Polizeieinsätze. Deshalb rufen wir alle Berliner Familien auf, am 8. Mai auf die Straße zu gehen. Eltern, die ihre Kinder beim Streiken aktiv unterstützen und sich gemeinsam mit anderen organisieren wollen, finden bei „Eltern gegen Wehrpflicht” Gleichgesinnte. Denn der Widerstand gegen diese Wehrpflicht ist keine Sache allein der Jugend – er geht uns alle an.
ElterngegenwehrpflichtBerlin@gmx.net
Gruppe Pankow
