Rettet unser Kiezkrankenhaus!
Wer im Wedding medizinische Hilfe bei alltäglichen Gebrechen braucht, geht ins „Jüdische“. Das Krankenhaus ist ein Teil des Wedding. Die Menschen, die hier leben und arbeiten gehen seit Jahrzehnten hierher, wenn sie Herzprobleme haben oder Hilfe beim Management ihres Blutzuckers brauchen. Hier geht es nicht um die Hochglanzmedizin, sondern um die tägliche Unterstützung. Das Jüdische Krankenhaus blickt auf eine 260-jährige Geschichte zurück. Es hat den Hitlerfaschismus überlebt. 1000 Jüdinnen und Juden hatten sich bis zum Kriegsende im weitläufigen Kellergewölbe versteckt.
Doch nun soll diese Geschichte enden. Jahrelang hatte der Berliner Senat die Gelder für nötige Investitionen zurückgehalten. Jeder, der das Krankenhaus vor der Renovierung kannte, konnte dies sehen. Das Gebäude war veraltet, es fehlte an Räumen für Therapien. Das Krankenhaus versuchte, die nötigen Renovierungen selbst zu bezahlen. Nun ist es insolvent, dank der Untätigkeit des Berliner Senats und dank der bundesweiten Krankenhausreform, die den wirtschaftlichen Druck auf kleine kommunale Krankenhäuser enorm erhöht und bereits zu einigen Klinikschließungen in Berlin geführt hat. Die geplante Sanierung des Hauses soll nun ausgerechnet auf Kosten der Beschäftigten stattfinden: Personalabbau und Verzicht auf Lohnsteigerungen sind vorgesehen. Die Folge: Immer mehr Fachkräfte verlassen die Einrichtung. Das gefährdet direkt die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Mit dem Wegfall des Jüdischen Krankenhauses würde die ohnehin schon dünne Versorgung im Wedding nach der Schließung des DRK-Krankenhauses weiter geschwächt. Besonders hart träfe es Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Problemen. Für sie fällt eine wichtige Anlaufstelle weg. Hinzu kommt, dass parallel das Budget der Angebote für Suchtkranke und Obdachlose am Leopoldplatz gekürzt wurde. Die Lücke wird immer größer.
Schon jetzt sind private Klinikbetreiber im Gespräch, das Haus zu übernehmen. Das würde die Situation der Beschäftigten weiter verschlechtern, da sie dann dem Profitinteresse der Krankenhauskapitalisten unterworfen wären. Für die Weddingerinnen und Weddinger bedeutet es im Notfall längere Wege, überfüllte Rettungsstellen, eine Überlastung der städtischen Krankenhäuser und insgesamt eine schlechtere Versorgung in einem bereits sozial belasteten Bezirk.
Dagegen wehren wir uns! Zeigt Solidarität und unterschreibt den Einwohner*innenantrag zum Erhalt des Krankenhauses. Unser Wahlprogramm ist klar: Keine weiteren Schließungen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Berlin, keine Privatisierung! Wir kämpfen für eine bedarfsgerechte Versorgung für alle in unserem Kiez. Das Jüdische Krankenhaus gehört zum Wedding, und es muss bleiben!
Gruppe Wedding
