Helden? Helden!
Eine Einladung zu einer Gedenkausstellung im Russischen Haus in der Friedrichstraße beförderte eine in meinem Gedächtnis versteckte Erinnerung ans Licht der Gegenwart! „Man sollte den beiden Sowjetnics ein Denkmal errichten!“, hatte mein Schriftsetzerkollege nach jenem Tag im Jahr 1966 beim Frühstück ins Gespräch geworfen.
Worum ging es? Am 6. April 1966 verlor ein sowjetischer Düsenjäger der Jak-Klasse aufgrund eines plötzlichen technischen Defekts die Kontrolle und geriet in Brand. Das Jagdflugzeug sollte vom Flugzeugwerk Swerdlowsk nach Köthen überführt werden. Am Flugplatz Eberswalde-Finow nach einem Zwischenstopp gestartet, setzten plötzlich beim Überfliegen des Westberliner Ortsteils Westend beide Triebwerke aus!
Die Piloten Hauptmann Boris Kapustin und Oberleutnant Juri Janow hielten die Maschine bis zum letzten Moment in der Luft und lenkten sie weg von den Wohnvierteln in Spandau. Erst als sie sicher waren, dass sie das Flugzeug in Richtung des Stößensees halten konnten, versuchten sie, auf minimale Höhe zu gehen. Sie verzichteten darauf, sich mit dem Schleudersitz zu retten, der Absturz wurde unvermeidlich. Beide fanden den Tod, sie retteten jedoch hunderten Berlinern das Leben. Dass die britischen Besatzungsbehörden in der da-maligen Viermächtestadt Berlin dem sowjetischen Bergungskommando keinen Zugang zum Flugzeug gewährten, ist dann nur noch eine übliche Notiz in den Zeiten des Kalten Krieges. Erwähnenswert ist noch, dass Willy Brandt als Regierender Bürgermeister von Westberlin den beiden sowjetischen Piloten in einer öffentlichen Erklärung postum dankte, dass sie die Maschine nicht über bewohntem Gebiet hatten abstürzen lassen. Auf dem sowjetischen Garnisonsfriedhof Eberswalde ist den Piloten ein gemeinsamer Gedenkstein gewidmet! Die Regierung der Sowjetunion verlieh den Piloten postum den Rotbannerorden der Sowjetunion und stellte sie damit in die Reihen ihrer Helden; und das waren sie gewiss!
Es ist dem Abgeordneten des BSW, Alexander King, zu danken, der mit einer kleinen Gedenkaktion an der Stößenseebrücke zum 60. Jahrestag dieses Ereignisses diese beiden Helden in die Gegenwart holte! Besonders aber auch dem Russischen Haus, dass den Helden unter dem Titel „Der unendliche Himmel“ (nach einem Gedicht von Robert Roschdestwenskij) die Gedenkexposition widmete! Die Gedenktafel an der Stößenseebrücke war im Laufe der Jahrzehnte verwittert und wurde im Februar 2025 durch eine neue ersetzt. Organisiert hatten das Menschen aus der Bürgerstiftung Barnim- Uckermark in Eberswalde, denen die deutsch-russische Freundschaft am Herzen liegt und die dafür fast 7.000 Euro Spendengelder einsammeln konnten.
Gerald Schwember, Gruppe Spandau
