Schließungslawine rollt
Das bundesweite Kliniksterben hat längst Berlin erreicht. Mitte Dezember wurde bekannt, dass die Schlossparkklinik Charlottenburg schließt. Einzelne Filetstücke gehen an den kirchlichen Klinikbetreiber „Alexianer“, was für einen Großteil der 800 Beschäftigten Jobverlust bedeutet, für die übrigen weniger betriebliches Mitspracherecht bei einem kirchlichen Träger. Nicht besser ergeht es der ähnlich großen Parkklinik Weißensee, die unter dem gleichen privaten Träger ebenso seit Herbst insolvent ist, weshalb dort ein Ausverkauf oder gar die Komplettschließung droht. Das Jüdische Krankenhaus meldete im Dezember seine Zahlungsunfähigkeit, doch eine Rettung ist nicht in Sicht. Über eine Sanierung plus öffentliche Unterstützung durch den Senat versucht man den Betrieb in Eigenregie des kleinen Trägers zu sichern. Aber das geschieht auf Kosten der Beschäftigten, wo es zuerst es die gerade erkämpften Entlastungsregelungen traf, die man bei der wirtschaftlichen Schieflage sogleich auf Eis legte. Im Herbst 2026 wird die Weddinger DRK-Klinik Mitte schließen, ein paar ihrer Abteilungen will das DRK an den Standort Westend verlagern. Allerdings schließt man dort aufgrund der „unrentablen Fallpauschalen“ nun die Kinderurologie und Kinderchirurgie – sind Kinder nicht profitabel genug, wickelt man speziellere Leistungen für sie ab. Im Notfall müssen chirurgische Eingriffe bei Kindern von der (erwachsenen) Allgemein- und Unfallchirurgie mitbehandelt werden.
Bei all diesen Dingen stehen die Profite, nicht die Patienten im Vordergrund. Hier unterscheiden sich die landeseigenen oder freigemeinnützigen kaum von den privaten Kliniken. Eine traurige Entwicklung: kleinere Kliniken sind von der Krise der Krankenhausfinanzierung besonders stark betroffen. Große Häuser sind klar im Vorteil, da sie sich durch hohe Fallzahlen und Gründung immer neuer Zentren aufwerten können. Die geplante Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft schafft durch falsche Anreize ein Überangebot an speziellen Leistungen und gleichzeitig Mangel an Strukturen der Grundversorgung. Viele Umbrüche stehen noch bevor, auch in Berlin.
Betriebsaktiv Gesundheit
