Mord verjährt nicht!
Auf der Flucht vor politischer Repression und Gewalt in der Türkei kam Celalettin Kesim mit Frau und Kind 1973 nach Westberlin. Er arbeitete zunächst bei Borsig-Maschinenbau in Tegel, später als Berufsschullehrer. Celalettin war klassenbewusst in der TKP organisiert und arbeitete als überzeugter Internationalist in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) mit. Als kämpferischer Gewerkschafter war er Mitglied in der IG Metall und GEW. Er übernahm das Amt des Sekretärs des „Türkenzentrums“ in der Neuköllner Schinkestraße, in welchem u.a. der Türkischen Deutschen Arbeiterverein ansässig war.
„Kommunisten warnen vor Militärputsch in der Türkei!“ Mit dieser Mahnung wandten sich Anfang des Jahres 1980 die Mitglieder des Türkischen Demokratischen Arbeitervereins in Berlin mit einem Flugblatt an die türkische Diaspora in Kreuzberg. Die Befürchtung war, dass sich die politisch schwache Regierung der Türkei trotz immer weiterer Zugeständnisse an die rechten und islamistischen Kräfte sich nicht an der Macht halten könne.
Der Geheimdienst-Experte Schmidt-Eenboom schrieb später in seinem Buch „Schattenkrieger“, dass in dieser Zeit die deutsche Regierung, konkret der BND es unterstützte, dass türkische Oppositionelle in der BRD und Westberlin von ihren politischen Feinden, d.h. türkischen Islamisten, Faschisten und dem türkischen Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MiT) ins Visier genommen wurden. Er geht davon aus, dass “der Mord an Celalettin Kesim im Januar 1980 in Berlin im MiT-Auftrag (…) begangen worden” ist.
Celalettin Kesim wurde durch einen gezielten Messerstich in die Hauptschlagader am Oberschenkel tödlich verletzt. Die Tatwaffe, ein Schlachtermesser, das neben Ketten und Schlagstöcken von der jagenden Meute faschistischer Grauer Wölfe mitgeführt wurde, wäre in jedem anderen Fall Auslöser polizeilicher, rechtsstaatlicher Ermittlungen gewesen. Stattdessen aber setzte der Westberliner Senat den Türkischen Demokratischen Arbeiterverein unter Druck, indem man unter Androhung einer Geldstrafe von 1000 DM ihn dazu zwang, seine Mitgliederliste beim Staatsschutz einzureichen.
Celalettin Kesim war ein konsequenter Kämpfer für eine neue, für eine sozialistische Welt. Unser jährliches Gedenken an ihn am fünften Januar ist allen Opfern rechter Gewalt gewidmet und Aufruf zum Widerstand gegen Krieg und Faschismus.
Gruppe Neukölln u. Kreuzberg-Friedrichshain
