Krankenhäuser und Arztpraxen werden auf den Kriegsfall eingestimmt
Schritt für Schritt werden Berliner Krankenhäuser darauf vorbereitet, im Falle eines Krieges eine widerstandsfähige und stabile Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können. Mit dem Rahmenplan „Zivile Verteidigung Krankenhäuser“ gehen die Senatsverwaltung Gesundheit, Berliner Krankenhäuser sowie die Berliner Krankenhausgesellschaft konkrete Schritte in diese Richtung. In dem Arbeitspapier geht es um das notwendige Personal, Dienstleistungen und Lieferketten, die aufrecht zu erhalten sind, sowie die Bevorratung von Arznei-, Verband- und Hilfsmitteln. Zudem wird die bevorzugte Behandlung von militärischem Personal im Verhältnis zu Zivilisten thematisiert. Nicht nur die Krankenhäuser werden auf Kriegskurs gebracht, sondern auch die niedergelassene Ärzteschaft. So betont der Gesundheitssenat gegenüber der Interessenvertretung der Niedergelassenen, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, die zentrale Rolle der Niedergelassenen für die medizinische Versorgung der Berliner und fordert die KV gleichsam auf, ihre Ärzte für die zivile Verteidigung und daraus resultierende Aufgaben zu sensibilisieren. Eine klare Haltung zeigt die Delegiertenversammlung der Berliner Ärztekammer: Sie erklärte jüngst, dass die Behandlung von Patienten unabhängig von ihrem militärischen oder zivilen Status zum ärztlichen Selbstverständnisgehört und fordert Berlins Ärzte auf, ihre ethischen Grundsätze offen zu vertreten und für die Erhaltung des Friedens einzutreten. In Kriegszeiten wird sich die Versorgung von Patienten stark verändern. Individualmedizin wird durch Kriegsmedizin ersetzt: Krankenhäuser versorgen Patienten dann vor allem im Sinne der umgekehrten Triage, das heißt, leichter verletztes militärisches Personal wird vorrangig vor dringend behandlungsbedürftigen Zivilisten versorgt, um die Soldaten schnellstmöglich wieder fit für die Front zu machen. Arztpraxen sollen Krankenhäusern den Rücken freihalten und Patienten am besten gar nicht erst ins Krankenhaus schicken. Die Gesundheitsversorgung Berlins strauchelt bereits jetzt. Krankenhäuser schließen ihre Pforten oder stehen kurz davor. Einige Bezirke sind bereits heute mit niedergelassenen Ärzten kritisch unterversorgt und auf erforderliche Arzttermine warten wir mitunter ziemlich lange. Notwendig sind eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung, die auskömmlich finanziert ist sowie Geld für Gesundheit, Prävention und Pflege, nicht jedoch für die Militarisierung. Unser Gesundheitswesen muss nicht kriegstüchtig, sondern friedenstauglich werden.
Betriebsaktiv Gesundheit
