05.01.2026, Gedenken an Celalettin Kesim
Am 5.1.2026 jährte sich zum 46. Mal der die Ermordung unseres Genossen Kesim. Zusammen mit TKP und SDAJ organisierte die DKP die Gedenkkundgebung an seinem Denkmal.
Es gilt: Mord verjährt nicht!
Celalettin Kesim kam als politischer Flüchtling mit Frau und Kind 1973 nach Westberlin. Er arbeitete zunächst bei Borsig-Maschinenbau in Tegel, wird bald zum Vertrauensmann gewählt. Später arbeitete er als Berufsschullehrer. Er übernahm das Amt des Sekretärs des Türkenzentrums in der Neuköllner Schinkestraße – nicht weit von hier – und war immer dabei, wenn seine Genossen und Freunde auf die Straße gingen, um gegen die politischen Repressionen und die tägliche Gewalt in der Türkei zu protestieren. Celalettin war klassenbewusst in der TKP organisiert und arbeitete zugleich als überzeugter Internationalist in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins mit. Als kämpferischer Gewerkschafter war er Mitglied in IG Metall und GEW und für viele Menschen eine Vertrauensperson.
Der Geheimdienst-Experte Schmidt-Eenboom wird später schreiben, dass in dieser Zeit die deutsche Regierung – genauer: der BND – es zuließ und unterstützte, dass türkische Oppositionelle in der BRD und Westberlin von ihren politischen Feinden, türkischen Islamisten und Faschisten, sowie dem türkischen Geheimdienst MiT ins Visier genommen wurden. Schmidt-Eenboom geht in seinem Buch „Schattenkrieger“ davon aus, dass “der Mord an Celalettin Kesim im Januar 1980 in Berlin im MiT-Auftrag … begangen worden” ist.
„Kommunisten warnen vor Militärputsch in der Türkei!“ Mit dieser Warnung wandten sich Anfang des Jahres 1980 Mitglieder des Türkischen Demokratischen Arbeitervereins in Berlin in einem Flugblatt an die türkische Diaspora in Kreuzberg. Die Befürchtung war, dass die politisch schwache Regierung der Türkei trotz immer weiterer Zugeständnisse an die rechten und islamistischen Kräfte sich nicht an der Macht halten könnte. Sie schreiben: “Allein unter [Ministerpräsident] Demirel wurden im letzten Monat Hunderte Menschen ermordet.”
Celalettin Kesim wurde durch einen gezielten Messerstich in den Oberschenkel tödlich verletzt. Das Schlachtermesser, das die etwa 70, aus der nahegelegenen Mevlana-Moschee herbeistürmenden Anti-Kommunisten neben Ketten und Schlagstöcken mit sich führten, wäre in jedem anderen Fall Auslöser polizeilicher, rechtsstaatlicher Ermittlungen gewesen. Hier aber setzte der Senat den Türkischen Demokratischen Arbeiterverein unter Druck. Mit der Drohung einer Geldstrafe von 1000 DM wurde er gezwungen, seine Mitgliederliste beim Staatsschutz einzureichen.
Der Mord rief in der Stadt – weit über das linke Spektrum hinaus – Entsetzen und Empörung hervor; an der Demonstration im Anschluss an die Trauerfeier nahmen über 10.000 Menschen teil.
Celalettin Kesim war ein konsequenter Kämpfer für eine neue, für eine sozialistische Welt, deshalb musste er sterben. Unser Gedenken an Celalettin Kesim ist allen Opfern rechter Gewalt gewidmet und zugleich ein Aufruf zum Widerstand gegen Krieg und Faschismus.
Damals wie heute haben wir die Pflicht, die Bestrafung der Mörder Celalettins zu fordern – Mord verjährt nicht!
Damals wie heute haben wir die Pflicht, entschlossen Frieden, Demokratie und Arbeiterrechte zu verteidigen.
Kämpfen wir gemeinsam gegen Gesinnungsschnüffelei und Gesetzesverschärfungen, gegen neue Berufsverbote und neue Bedrohungen der Meinungsfreiheit.
Stehen wir auf gegen Rassismus, Militarismus und Kriegshetze, gegen Aufrüstung und Sozialabbau.
Stehen wir auf, denn wie Hannes Wader sang: diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit!
Kämpfen wir gemeinsam für Frieden und Sozialismus!
Hoch die Internationale Solidarität!

